Schwefeldioxid im Wein: Müssen wir uns Sorgen um unsere Gesundheit machen?

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Was sehen wir hier? Richtig: Schwefel. Der Hinweis auf Sulfite im Wein ist durch die EU-Richtlinie zur Lebensmittelkennzeichnung vorgeschrieben, da Schwefel bei einigen, wenigen Menschen allergische Reaktionen auslösen kann.

Alles halb so wild

Liest man als unerfahrener Weintrinker „enthält Sulfite“ auf einem Weinetikett, ist man zunächst verwirrt. Das hört sich doch ganz schön nach Chemie an, oder?

Grundsätzlich muss man keine Bedenken haben, denn Sulfite entstehen bei der Weinproduktion ganz automatisch. Bei den Sulfiten handelt es sich um nichts anderes als um Schwefel. Dieser wird dem Wein als Konservierungsstoff hinzugegeben. Schwefel verhindert die Oxidation und hemmt gleichzeitig das Wachstum von unerwünschten Hefen und Mikroben. Kurz gesagt: Durch die Sulfite wird der Wein haltbar gemacht. Ohne diese Zusatzstoffe könnte es durchaus passieren, dass der edle Tropfen binnen kürzester Zeit nach saurem Essig schmecken würde. Sulfite im Wein hingegen verhindern dies. Übrigens ist dies längst keine Erfindung der Neuzeit. Schon die alten Griechen und Römer nutzten Sulfite im Wein, um diesen haltbar zu machen. Dass Du Dir um Deine Gesundheit Sorgen machen musst, ist jedoch unbegründet. Erfahrene Winzer versuchen, die Menge von Zusatzstoffen im Wein so gering wie möglich zu halten. Dennoch gibt es einige, die Wein gar nicht vertragen und mit allergischen Reaktionen zu kämpfen haben.

Allergien durch Wein – häufiger als man denkt

Wusstest Du, dass Wein sogar Allergien begünstigen kann? Juckreiz, Durchfall und sogar Herzrasen können durch Wein ausgelöst werden, glaubt man den Statistiken. Aus diesem Grund ist es vom Gesetzgeber vorgeschrieben, dass auf dem Etikett „enthält Sulfite“ aufgedruckt ist. Bereits seit dem Jahr 2005 müssen Lebensmittel aller Art mit entsprechend ihrer potentiellen Allergieauslöser gekennzeichnet werden. Der Zusatz „enthält Sulfite“ oder „enthält Schwefeldioxid“ muss immer dann erfolgen, wenn die Konzentration höher als 10 mg/l ist. Bis zu 160 Milligramm Schwefeldioxid (SO2) stecken in vielen im Handel erhältlichen Flaschen; bei Spätlese und Beerenauslese sogar noch mehr.

Trockener Rotwein hingegen darf laut EU maximal 150 Milligramm Schwefel pro Liter enthalten. Noch besser fährst Du, wenn Du einen trockenen Riesling bevorzugst; dieser enthält im Durchschnitt 80 Milligramm je Liter. Der Schwefelanteil in zahlreichen anderen Lebensmitteln ist deutlich höher. Ungeschälte Nüsse etwa können bis zu 500 Milligramm Schwefel pro Kilogramm enthalten. Bei getrockneten Aprikosen kann sich der Anteil sogar auf bis zu 2.000 Milligramm erhöhen.

Grundsätzlich sind Sulfite im Wein für den gesunden Menschen also kein Problem. Einen Sonderfall stellen die sogenannten Sulfit-Allergiker dar. Etwa zehn Prozent aller Asthmatiker sind davon betroffen. Da Sulfite im Wein bei diesen Personen zu asthmaähnlichen Symptomen wie Schnupfen und Juckreiz auslösen können, sollten sie Wein weitestgehend meiden.

Sind Bioweine eine Alternative?

Die schlechte Nachricht vornweg: Weine ohne Sulfite gibt es nicht.

Der Grund: Bereits die Weintraube enthält von Natur aus eine geringe Menge an Sulfiten. Da diese aber bei weniger als zehn Milligramm pro Liter liegt, ist diese Menge noch nicht kennzeichnungspflichtig. Ebenso entwickeln die Hefen, die bei der Gärung mitwirken, Schwefelverbindungen. Diese natürliche Form der Sulfite kann man also kaum verhindern. Jedoch versuchen immer mehr Winzer, ihrem Wein so wenig Sulfite wie möglich zuzusetzen. Schaut man sich im Handel um, muss man feststellen, dass aber immer noch etwa 90 Prozent der angebotenen Weine mit Sulfiten als Konservierungsmittel versetzt sind. Weine von Biobauern, die ohne den Zusatz von Sulfiten hergestellt werden, tragen auf ihrem Etikett die Bezeichnung „ungeschwefelt“ oder „ohne den Zusatz von Sulfiten“.

Fazit:

Wie viel Wein Du also zu Dir nimmst, liegt in Deinem eigenen Ermessen. Definitiv ist der im Wein enthaltene Alkohol schädlicher für Deinen Körper als die Schwefelverbindungen. Lediglich für die Sulfit-Allergiker können die Sulfite im Wein unangenehme Nebenwirkungen haben. Diese Personen sollten bedenken, dass Schwefeldioxid auch in zahlreichen anderen Lebensmitteln als Konservierungsstoff eingesetzt wird. Diverse Kartoffelprodukte wie Kloßteig und Dörrobst enthalten im Vergleich zu Wein sogar deutlich mehr Sulfite. Deinen Lieblingswein kannst du also in den meisten Fällen bedenkenlos genießen.